Mein schöner Ort.

Tage des Abschieds von Pfarrer Hans-Heinz Riepe.

Alles ist gesagt, das Notwendige ist getan, das Wichtigste ist überlegt. Was bleibt am Ende dieser Tage der Trauerfeierlichkeiten für Pfarrer Hans-Heinz Riepe noch aufzuschreiben, über das nicht längst berichtet worden wäre?

Am vorvergangenen Sonntag die Nachricht vom plötzlichen Tod des Pfarrers, die sich wie ein Lauffeuer durch die Stadt verbreitete. Schon am Abend zum Totengebet war die Marienkirche gut besucht. Dann ab Montag die Berichterstattung in den Schwerter Zeitungen und die Nachrufe, die so manchem Gemeindemitglied erst deutlich machten, wie groß die Bedeutung des Verstorbenen in unserer Stadt war. Es folgten die Tage der Beerdigungsvorbereitungen, intensiver Kommunikation und guter Gespräche aller Verantwortlichen. Am Donnerstag die Aufbahrung des Leichnams im offenen Sarg in der Trauerhalle unseres Friedhofs. Und wieder war die Kirche voller Menschen, als anschließend Abendmesse gefeiert wurde. Es war ein strahlend schöner, frühsommerlich warmer Freitag, als die Totenglocken zum Auferstehungsgottesdienst in die Pfarrkirche riefen, in der es kaum mehr Stehplätze gab. Trauerbeflaggung an den öffentlichen Gebäuden, gesperrte Straßen. Rund eineinhalbtausend Menschen folgten anschließend dem Leichenwagen durch die Stadt zum Friedhof, wo Hans-Heinz Riepe seine letzte Ruhestätte gefunden hat – an seinem schönen Ort.

 


Foto: Melanie Pruys
Der Trost

Es war ein sensibel recherchierender Redakteur einer Schwerter Zeitung, der unmittelbar nach Bekanntwerden des Todes ein Foto aus dem Archiv herausgesucht hatte, das uns alle durch diese Woche begleitet und durch diese Tage geführt hat: Angestoßen durch den damaligen Stadtschreiber, waren seinerzeit für eine Artikelserie prominente Schwerter nach ihrem schönen Ort gefragt worden. Pfarrer Riepe hatte sich damals auf dem Katholischen Friedhof, an dem kleinen Wasserlauf sitzend, fotografieren lassen, der vom Alpha-Brunnen gespeist wird und in der Omega-Schale endet. Unmittelbar daneben liegt nun sein Grab – dort, wo das Wasser als Zeichen des Lebens Anfang und Ende miteinander verbindet; an seinem schönen Ort.

Schon am Tag nach der Beerdigung war das Grab fertig hergerichtet, fast so, als habe es dieses schon immer dort gegeben. Und die zahlreichen Friedhofsbesucher konnten sich des Eindrucks nicht erwehren, daß es in der Tat keinen anderen Ort hätte geben können, der passender gewesen für die letzte Ruhestätte des Hans-Heinz Riepe. Hier hatte und hat er seine Heimat – in jeder Hinsicht.

Die Themen

Anderen wird das Bild von den sieben brennenden Kerzen auf dem Stadtgebetsleuchter neben dem Sarg in Erinnerung bleiben, die während des Auferstehungsgottesdienstes an der Osterkerze zu den sieben Fürbitten angezündet wurden, die Menschen zu Themen vortrugen, die für Hans-Heinz Riepe in seinem Leben wichtig waren:

- Norbert Riepe, ein Bruder des Verstorbenen, nahm dessen Engagement im Kreis seiner Geschwister zum Anlaß, für alle Familien um Geduld miteinander und um Achtung voreinander zu bitten.
- Die Vorsitzende des Pfarrbezirksrates St. Marien, Margret Wilkes, bat um einen lebendigen Glauben, „so wie ihn uns Hans-Heinz Riepe verkündet und vorgelebt hat.“
- Um die Stärkung aller Bemühungen im Pastoralverbund für Zusammenarbeit und gemeinsame Schritte in die Zukunft betete für den Stadtpfarrgemeinderat, Berthold Hof.
- Ein Vertreter der Pfadfinder erinnerte an das Engagement des Pfarrers für die Jugend und formulierte seine Bitte um glaubhafte Orientierungshilfe für die nachwachsenden Generationen.
- Der evangelische Pfarrer Fritz-Günter Held nahm das ökumenische Wirken seines katholischen Mitbruders zum Anlaß, für die Stärkung des gegenseitigen Vertrauens und des geschwisterlichen Miteinanders der Gemeinden zu beten.
- „Die Wachheit für soziale Fragen gehörte für unseren Pfarrer immer in die Mitte kirchlichen Handelns“, formulierte Norbert Westphal als Vertreter der Caritas einen weiteren Schwerpunkt.
- Jürgen Beyer, Geschäftsführer des Marienkrankenhauses, erbat Gottes Segen für Kranke und Sterbende sowie ihre Angehörigen. So erinnerte er an den Trost, den der Pfarrer in seinem priesterlichen Dienst gespendet hatte.

Die Tugenden

Im wahrsten Sinn des Wortes anrührend waren auch die Worte, mit denen drei wichtige Vertreter der kirchlichen und kommunalen Gemeinden zum Schluß des Auferstehungsgottesdienstes an die Tugenden erinnerten, die für ein Vierteljahrhundert die Basis des segensreichen Wirkens von Hans-Heinz Riepe in Schwerte gewesen sind:

- Bürgermeister Heinrich Böckelühr bekannte, in dem verstorbenen Pfarrer ein Vorbild gefunden zu haben. Sachkundiges Engagement verbunden mit persönlicher Bescheidenheit. Diese Kombination habe ihn immer ganz besonders angesprochen.
- An den pragmatischen Gemeindeleiter erinnerte Dr. Konrad Koch. Von erkennbaren Schwierigkeiten habe sich der Pfarrer nie aus der Ruhe bringen lassen. Weitermachen! Diese Devise sei sein Markenzeichen gewesen und nun sein Vermächtnis.
- Pfarrer Fritz-Günter Held schließlich hob noch einmal die Überzeugungen von Hans-Heinz Riepe hervor, für die er zu kämpfen bereit war – in den ökumenischen Anliegen beispielsweise ebenso wie in der Friedensarbeit von Pax Christi.

Der mit weißen Orchideen geschmückte Sarg des verstorbenen Pfarrers in der Mitte zwischen dem Stadtgebetsleuchter auf der einen und den drei Trauerrednern auf der anderen Seite. Auch dieses Bild mag manchem in Erinnerung bleiben – bekanntlich dem einzigen Paradies, aus dem man niemals vertrieben werden kann.

Alles ist gesagt, das Notwendige ist getan, das Wichtigste ist überlegt. Was bleibt am Ende dieser Tage der Trauerfeierlichkeiten für Pfarrer Hans-Heinz Riepe noch aufzuschreiben, über das nicht längst berichtet worden wäre?

Es sind die Bilder, die beschriebenen und andere, die wir in unserer Erinnerung behalten, über die wir uns austauschen sollten – zum persönlichen Trost und zur Stärkung für die anstehende Arbeit.

Deshalb dürfte es ein weiser Beschluß der verantwortlichen Gremien sein, das Programm zum einhundertsten Geburtstag der Marienkirche wie geplant fortzusetzen, aber den für die Verabschiedung des Pfarrers in den Ruhestand vorgesehenen 4. Juli als Tag der Erinnerung zu gestalten.

Dr. Ludger Wolfgart

Siehe auch:

Stellungnahmen

Erinnerungen

Pressebericht