Königlich teilen: 8. Schwerter Krippenweg

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Königlich teilen: 8. Schwerter Krippenweg

Wenn die leuchtend gelben Sterne mit geschwungenem Schweif in der Schwerter Altstadt den Weg weisen, ist es wieder soweit.

Als 2015 Berthold und Hille Schulze-Zumhülsen die Idee des Krippenwegs aus Handorf mitbrachten, konnten sie nicht ahnen, dass der Schwerter Krippenweg inzwischen eine Institution in Schwerte ist und sehnsüchtig erwartet wird. Im ersten Jahr waren es die Mitstreiterinnen aus dem Arbeitskreis Schwerter Frauengeschichten, die 40 Exponate in der Altstadt sowohl als Freiluftkrippe vor den Fachwerkhäusern als auch hinter liebevoll dekorierten Fenstern zeigten. Die Ruhrstadt Schwerte hat diese Attraktion also einer privaten Bürgerinitiative zu verdanken. Später übernahm die Gemeindereferentin Irmgard Paul aus der St. Marien-Gemeinde die Organisation. Alle Jahre wieder kamen neue Ideen und Figuren dazu. Elisabeth Stark-Reding und Christoph Prausnitz wagen sich in die JVA und kehren mit besonderen künstlerischen Exponaten zurück. Freigelassen wird diesmal eine Himmelsleiter, die sich neben überlebensgroße Engel und zarte kleine Krippen lehnt. Wenn Josef Hellebrand in seine Holzwerkstatt geht, hat er immer mehrere Krippen dabei, die für die neue Saison hübsch gemacht werden. Es entmutigt ihn auch nicht, dass Vandalen seine Könige zerstört haben. „Ich habe schon wieder etwas Neues dabei“ und sollte ein Schaf verloren gehen, einen Tag später ist ein anderes wieder da! Uschi Vielhauer schlendert die diesjährige verkürzte Route ab auf der Suche nach dem passenden Platz für ihr Bild; der evangelische Pfarrer Tom Damm hat schon drei neue Gedichte auf ein Schmuckblatt geschrieben, das unter-Wegs zum Innehalten einladen will. Sogar der große Wandteppich mit der Szene „Darstellung des kleinen Jesus im Tempel“ wird wieder zu sehen sein, das Gastgeschenk eines iranischen Großvaters für seine Familie hier in Schwerte.

Der 8. Schwerter Krippenweg steht unter dem Motto „Königlich teilen – geben und nehmen“. Wenn viele nicht wissen, wie sie in diesen verrückten Zeiten Geld und Zuversicht zusammenhalten können, möchte der Krippenweg einen Kontrapunkt setzen: Neugier für Überraschungen wecken und froh machen.

Eine empfohlene Route beginnt am Marktplatz vorbei an der St. Viktor Kirche über den Norbert-Kaufhold-Weg zur Kötterbachstraße. Erfahrene Krippenwegfreunde suchen schon die kleinen getöpferten Geschenke in der Hecke, die Martina Schulte in ihrer Kunstschule „Kunst mal anders“ gezaubert hat. Weiter zur Mühlenstraße. An der alten Mühle ein Blick in die Krippenfenster und staunen, was rundherum auf dem Plateau aufgebaut ist: Kehren Sie noch einmal um und gehen dann zurück über die Kötterbachstraße links Richtung Wuckenhof. An der Gabelung Westenstraße, an dem Glücksautomaten von Sebastian Everding kurz anhalten und mit 50 Cent zugunsten der Initiative herzkranker Kinder einen kleinen Weihnachts- oder Winter-Witz ziehen und dann hinauf auf den Markt.

Dort steht ein weißer Schrank zum „Geben und Nehmen“. Kleine Geschenke können hineingelegt oder auch herausgenommen werden nach dem Motto „Seien Sie selbst königlich und geben, was andere froh macht.“ Alles was schön ist und eine kleine Geschichte hat, darf in den Schrank. Nur kein Ramsch. Es soll ja in diesen dunklen Zeiten Freude machen. Diese Idee hat der neue Kreis der Krippenwegfreundinnen um Ulrike Nagel, Krankenhausseelsorgerin und die Künstlerin Elvira Sürig, die für ihre farbenfrohen Exponate bekannt ist, mitten im Sommer auf dem Markt mit sieben anderen kreativen Frauen geboren. Schnell war klar, dass es dabei nicht bleibt. Ein, zwei Skizzen und Kronen und aufmunternde Sprüche fanden zueinander. In der Schule, an Küchentischen und im Atelier von Elvira Sürig wuchs die Kronenschar, die dieses Jahr unter den Bäumen auf dem Markt hängen wird. Einige Sprüche liegen natürlich auch im weißen Schrank!

Es scheint ansteckend zu sein, denn auch dieses Jahr werden die Einzelhändler mitschmücken.

Wer den Flüchtlings-Treck des Arbeitskreises Asyl aus Schwerte vermisst, die Figuren stehen jetzt in kleinen Gruppen dicht an dicht mit einem dicken Schal. „Wärme schenken“ in Gemeinschaft und Freude, denn viele Flüchtlinge haben inzwischen eine Heimat in Schwerte gefunden.

Der Stadtwächter Ferdinand Ziese kennt die Strecke gut und nimmt gerne Aufträge für Stadtführungen entgegen. Vielleicht fährt auch die Rikscha mit einigen Senior*innen den Weg ab oder eine kleine Kindergartengruppe ist auf Entdeckertour. Familienerbstücke werden stolz präsentiert, Krippen mit hohem künstlerischen Anspruch sind genau so dabei wie witzige Darstellungen. Fehlt eine Figur, dann „ist Josef gerade einkaufen“.

Der Krippenwegfreundeskreis hat den Humor nicht verloren, denn dieser Schwerter Krippenweg blickt auf zwei Corona-Jahre zurück, hat unter Vandalismus gelitten und wird sich auch durch die „Kältezeit“ nicht beeindrucken lassen.

Schwerte, im November 2022                                                                     Ulrike Nagel

Ganz unten auf dieser Internetseite sind Fotos vom diesjährigen Krippenweg zu sehen.