Gebetswoche für Europa – Benedikt von Nursia

Benedikt von Nursia (3. Juni 2024)

Vom 6. bis 9. Juni 2024 (in Deutschland am 9. Juni) wird das Europäische Parlament neu gewählt. Papst Paul VI. und Papst Johannes Paul II. haben in den Jahren 1964 bis 1999 insgesamt sechs Heilige zu Schutzpatronen Europas erklärt. Das Osteuropa-Hilfswerk der Katholischen Kirche Renovabis hat im Jahr 2013 eine Ikone in Auftrag gegeben, die alle diese Schutzpatrone zusammen zeigt. Sie stammt von der Ikonenschreiberin Hildegard Rall.
In der Woche vor der Europawahl stellen wir hier die einzelnen Frauen und Männer vor und erzählen, welche eigenen Begebenheiten wir mit ihnen erlebt, bzw. wie sie, ihre Botschaft und ihr Lebenszeugnis für uns eine besondere Bedeutung erhalten haben. Die Impulse finden Sie jeweils auf der Hauptseite der Pfarreihomepage und gesammelt auch auf dieser Seite.
Wir laden Sie ein, am Gebet für Europa teilzunehmen und in den Anliegen von Frieden, Gerechtigkeit, Versöhnung und Verständigung auf unserem Kontinent zu beten. Den Anfang macht heute ein Impuls über den Heiligen Benedikt von Nursia.

 

Benedikt von Nursia (um 480 – 21. März 547) 

Der älteste Schutzpatron Europas ist der heilige Mönchsvater Benedikt. In der Darstellung der Ikone ist er der dritte von links, gewandet in die Mönchskukulle, in der Rechten den Abtstab, in der Linken die Lebensregel der Mönche haltend.

Vater des abendländischen Mönchtums und Patron Europas

In ihm einen Schutzpatron Europas zu sehen, liegt nahe, denn er „hat durch sein Leben und Werk einen grundlegenden Einfluss auf die Entwicklung der europäischen Zivilisation und Kultur ausgeübt“, wie Papst Benedikt XVI. während der Audienz am 9. April 2008 feststellte.

Der Einfluss Benedikts von Nursia konnte sich vor allem durch die von ihm verfasste „Regula Benedicti“ entfalten, in deren letztem Kapitel er schreibt: „Diese Regel haben wir geschrieben, damit wir durch ihre Beobachtung in unseren Klöstern eine dem Mönchtum einigermaßen entsprechende Lebensweise oder doch einen Anfang im klösterlichen Leben bekunden.“ (RB 73,1)

Benedikts Lebensregel für Mönche war nicht die erste und auch nicht die letzte Regel dieser Art. Benedikt hat in seiner Regel auch ältere Regeln verarbeitet. Nicht alles stammt von ihm. Aber das maßvolle Abwägen, das in den Worten „ora et labora“ eine Kurzformel gefunden hat und heute wohl mit „work-life-balance“ übersetzt würde, das hat der Regula Benedicti dazu verholfen, die am weitesten verbreitete Ordensregel Europas zu werden. Benediktiner, Zisterzienser, Trappisten, Camaldulenser, alle diese Ordenschristen leben nach dieser Regel.

Nach maßvollen Regeln leben und so wirklich gemeinschaftsfähig sein, weil sich alle im gegenseitigen Gehorsam danach richten und daran halten, das ist, so weit ich sehe, auch das Grundanliegen der Europäischen Union. Darum ist für mich der heilige Mönchsvater ein so großartiger, hochverehrter Schutzpatron Europas.

Es gibt in der Regel Benedikts vereinzelt Aussagen, die sind heute schwer verständlich. Die Regel entstand ja bereits im Jahre 529! Die benediktinischen Nonnen und Mönche wenden die Regel darum „immer maßvoll und überlegt“ (RB 70,5) an. Die maßvolle Unterscheidung nennt Benedikt ausdrücklich „Mutter aller Tugenden“ (RB 64,19). Daran zeigt sich, meine ich, wie hilfreich die Regel geistlich, aber auch für den allgemeinen menschlichen Umgang ist. Für mich persönlich wurden zwei Anregungen aus der Regel Benedikts geistlich besonders prägend: aufrichtig Gott suchen (RB 58,7) und der Liebe zu Christus nichts vorziehen (RB 4,21; 72,11).

Diese geistliche Basis freilich geht im heutigen Europa mehr und mehr verloren.

Ich zitiere noch einmal Papst Benedikt: „Um eine neue und dauerhafte Einheit (Europas) zu schaffen, sind die politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Instrumente sicher wichtig, aber es ist auch notwendig, eine ethische und geistliche Erneuerung zu erwecken, die aus den christlichen Wurzeln des Kontinents schöpft; andernfalls kann man Europa nicht wieder aufbauen. Ohne diesen Lebenssaft bleibt der Mensch der Gefahr ausgesetzt, der alten Versuchung zu erliegen, sich selbst erlösen zu wollen – eine Utopie, die auf verschiedene Weise im Europa des 20. Jahrhunderts, wie Papst Johannes Paul II. festgestellt hat, ‚einen Rückschritt ohnegleichen in der gequälten Geschichte der Menschheit‘ verursacht hat (‚Insegnamenti‘, XIII/1, 1990, S. 58)“.

Ob eine geistliche Erneuerung Europas ausschließlich aus den christlichen Wurzeln entstehen kann, weiß ich nicht. Aber dass die christlichen Wurzeln einen wesentlichen Beitrag dazu leisten können, das steht für mich außer Frage. Und das ist unser aller Auftrag.

Beten wir dafür und arbeiten wir daran, ora et labora.

Guido Bartels, Pfarrer der Pfarrei St. Marien

Der Gebetszettel mit den Patronen Europas liegt in den Kirchen unserer Pfarrei aus, Sie finden die Ikone und ausführliche Informationen zu den dargestellten Heiligen aber auch auf der Homepage von Renovabis.

Alle Impulse der Gebetswoche finden Sie auf einer eigenen Unterseite unserer Pfarreihomepage.