Gebetswoche für Europa – Birgitta von Schweden

Birgitta von Schweden (5. Juni 2024)

Vom 6. bis 9. Juni 2024 (in Deutschland am 9. Juni) wird das Europäische Parlament neu gewählt. Papst Paul VI. und Papst Johannes Paul II. haben in den Jahren 1964 bis 1999 insgesamt sechs Heilige zu Schutzpatronen Europas erklärt. Das Osteuropa-Hilfswerk der Katholischen Kirche Renovabis hat im Jahr 2013 eine Ikone in Auftrag gegeben, die alle diese Schutzpatrone zusammen zeigt. Sie stammt von der Ikonenschreiberin Hildegard Rall.
In der Woche vor der Europawahl stellen wir hier die einzelnen Frauen und Männer vor und erzählen, welche eigenen Begebenheiten wir mit ihnen erlebt, bzw. wie sie, ihre Botschaft und ihr Lebenszeugnis für uns eine besondere Bedeutung erhalten haben. Die Impulse finden Sie jeweils auf der Hauptseite der Pfarreihomepage und gesammelt auch auf dieser Seite.
Wir laden Sie ein, am Gebet für Europa teilzunehmen und in den Anliegen von Frieden, Gerechtigkeit, Versöhnung und Verständigung auf unserem Kontinent zu beten. Den Anfang macht heute ein Impuls über den Heiligen Benedikt von Nursia.

 

Mobilität und Diplomatie

Die hl. Birgitta von Schweden (1303-1373) gab im 14. Jahrhundert zunächst als Mutter Birgitta Birgersdotter von acht Kindern und später als Ordensgründerin des Birgittenordens in Vadstena am Vätternsee in Schweden ein beeindruckendes christliches Zeugnis.

Hl. Birgitta auf der Ikone

Sie ist dargestellt mit der zur Tracht des Ordens gehörenden Bügelkrone, die an die Wunden Christi erinnern soll, einem Pilgerstab – sie unternahm einige Pilgerreisen, und einem Schriftstück in der Hand, das für ihre rege diplomatische Korrespondenz steht. Fürsten und Päpste ließen sich von ihr beraten.

Meine Erfahrungen mit den Birgittenschwestern

„Als ich als Schülerin mit meiner Freundin Regina in den Sommerferien für drei Wochen nach Vadstena an den Vätternsee aufbrach, um dort als Freiwillige im Gästehaus der Birgittenschwestern einige Stunden am Tag zu arbeiten und ansonsten Schweden zu genießen, war dies ein großes Abenteuer.

Die lange Zugreise, die Fähre und die Mücken und Spinnen in dem Zimmer unter dem Dach. Besonders die Birgittenschwestern mit ihrer lustigen Tracht hatten es uns angetan. Immer fröhlich, mal englisch, mal deutsch und auch auf holländisch wurden die Gäste angesprochen und alles getan, damit sich Pilgernden und Familien in ihrem Gästehaus wohl fühlten. Gastfreundschaft wurde groß geschrieben!

Nebenan stand die Kirche, die die Hl. Birgitta als Architektin selbst gebaut hat, in der Vitrine die Schriften mit den Visionen und den vielen bunten Holzschnitten. Ich habe diese Zeit lebhaft und laut wegen dem kräftigen Lachen der Birgittenschwestern in Erinnung. Es gab sicher auch Stille und Gebet und ich erinnere gerne die hohen Stimmen, wenn die Schwestern ihr Chorgebet sangen. – Es gibt heute noch Freiwillige, die nach dem Schulabschluss oder der Ausbildung zum Vätternsee reisen, dort mit den Birgittenschwestern in Vadstena im Gästehaus leben und arbeiten.“

Birgittenkloster in Vadstena, Schweden – Praktikum im Norden (praktikum-im-norden.de)

Das macht die Hl. Birgitta zur Patronin von Europa

Wenn man von einer Frau des Mittelalters behaupten will, dass sie Europäerin gewesen sei, kommt man nicht an Birgitta Birgersdotter vorbei, deren Wirken weder zeitlich auf das 14. Jahrhundert noch räumlich auf ihre Heimat Schweden begrenzt geblieben ist. Die hl. Birgitta von Schweden hat große Gegensätze in sich vereint: Beständigkeit und Pilgerreisen – die auch für politische Zwecke taugten – durch ganz Europa und sogar bis nach Jerusalem.  

Leben als Hofdame und als Bettlerin, als Ehefrau und Ordensgründerin, als Ratgeberin von Herrschern und im tiefen Glauben. Als Mutter von acht Kindern, als ungelernte Architektin einer größeren Kirche in Vadstena; eine äußerst aktive und eine kontemplative Seite. Wenn heute beruflich und privat Flexibilität gefordert wird, um ein länger werdendes Leben erfolgreich zu bestehen, lohnt sich ein Blick auf das abwechslungsreiche Leben der temperamentvollen schwedischen Adligen, die mehrere Berufungen gelebt hat.

Birgitta war eine der ersten Frauengestalten ihrer Zeit, die bewusst öffentliche Wirksamkeit entfaltete und so zum Vorbild, etwa für Katharina von Siena, wurde.

Versöhnung ist ihr Thema: der Menschen mit Gott und der Menschen untereinander, etwa im Hundertjährigen Krieg zwischen England und Frankreich, in dem sie vermitteln will. Sie erkannte die Notwendigkeit, sich einzumischen und am Frieden mitzuwirken. Sie nahm den Pilgerstab in die Hand und reiste dorthin, wo sie gebraucht wurde. Als Hofmeisterin sieht sie, wie Landbewohner sich höfische Sitten aneignen müssen, wenn sie vor den König treten, und so erkennt sie, dass analog die Menschen Hilfe brauchen im Umgang mit Gott. Darin sieht sie eine Aufgabe des später von ihr hauptsächlich für Frauen – erstmals in der Geschichte! – gegründeten Ordens, der sich noch im Mittelalter in Europa bis in die Ukraine ausbreitet. Männer und Frauen sollen nicht konkurrieren, sondern sich ergänzen, ist ihr Wunsch.

Wie segensreich wäre es, wenn sich Frauen oder Männer die hl. Birgitta zum Vorbild nähmen und mit ihrer eigenen aktiven und kontemplativen Seite dort diplomatisches Geschick zeigen, wo es heute Not wendet.

Mir fallen da Orte ein, in denen sich Menschen nur noch in Hass begegnen. Oder Menschen, die sich zurückziehen, weil sie sich mit den vielen Krisen überfordert fühlen. Oder die Menschen, die in den Schützengräben sich um ihr Leben fürchten und sich nach Versöhnung und Frieden sehnen.

Mobilität und Diplomatie sind gefragt und vor allem ein mutiges Herz für die Menschen!

 

Ulrike Nagel, Krankenhausseelsorgerin mit Quellen von Schwester Maria Katharina O.Ss.S. (Renovabis).

Der Gebetszettel mit den Patronen Europas liegt in den Kirchen unserer Pfarrei aus, Sie finden die Ikone und ausführliche Informationen zu den dargestellten Heiligen aber auch auf der Homepage von Renovabis.

Alle Impulse der Gebetswoche finden Sie auf einer eigenen Unterseite unserer Pfarreihomepage.