Gebetswoche für Europa – Edith Stein

Edith Stein (7. Juni 2024)

Vom 6. bis 9. Juni 2024 (in Deutschland am 9. Juni) wird das Europäische Parlament neu gewählt. Papst Paul VI. und Papst Johannes Paul II. haben in den Jahren 1964 bis 1999 insgesamt sechs Heilige zu Schutzpatronen Europas erklärt. Das Osteuropa-Hilfswerk der Katholischen Kirche Renovabis hat im Jahr 2013 eine Ikone in Auftrag gegeben, die alle diese Schutzpatrone zusammen zeigt. Sie stammt von der Ikonenschreiberin Hildegard Rall.
In der Woche vor der Europawahl stellen wir hier die einzelnen Frauen und Männer vor und erzählen, welche eigenen Begebenheiten wir mit ihnen erlebt, bzw. wie sie, ihre Botschaft und ihr Lebenszeugnis für uns eine besondere Bedeutung erhalten haben. Die Impulse finden Sie jeweils auf der Hauptseite der Pfarreihomepage und gesammelt auch auf dieser Seite.
Wir laden Sie ein, am Gebet für Europa teilzunehmen und in den Anliegen von Frieden, Gerechtigkeit, Versöhnung und Verständigung auf unserem Kontinent zu beten. Heute geht es um die Heilige Edith Stein.

 

Edith Stein (1891-1942)

Die jüngste Schutzpatronin Europas ist die Philosophin und Ordensfrau Edith Stein. Auf der Ikone ist sie ganz rechts abgebildet, gekleidet in den Ordenshabit der Karmelitinnen, auf dem der Judenstern prangt. Sie hält in der rechten Hand eine Thorarolle und in der linken das Kreuz, Symbole dafür, dass sie eine Brücke schlägt zwischen dem Judentum, in dem sie aufgewachsen ist, und dem Christentum, das sie angenommen hat.

 

Jüdin, Philosophin, Christin

Edith Stein (geb. 1891) stammte aus einer jüdischen Familie in Breslau und studierte u. a. Philosophie in Breslau, Freiburg i. Br. und Göttingen. Danach war sie als Lehrerin und Dozentin in Speyer und Münster tätig. Als junge Frau hatte sie sich von dem jüdischen Glauben ihrer Familie entfernt und war eine religiös Suchende geworden. So fand sie zum Christentum, ließ sich 1922 taufen und trat – was die Ernsthaftigkeit ihrer Suche unterstreicht – in die Ordensgemeinschaft der Unbeschuhten Karmelitinnen in Köln ein, wo sie den Ordensnamen Theresia Benedikta vom Kreuz annahm. Nach der Machtübernahme der Nazis in Deutschland wechselte sie in den Karmel der holländischen Stadt Echt. Nach der deutschen Besetzung der Niederlande wurde sie nach Auschwitz deportiert, wo sie 1942 wegen ihrer jüdischen Herkunft ermordet wurde.

An Edith Stein muss ich mindestens einmal in der Woche denken, wenn ich in Münster an der Kirche St. Ludgeri vorbeigehe: Dort hatte sie sich am 20.04.1933 endgültig entschieden, in den Orden einzutreten. In der Kirche gibt es auch ein Bild von ihr, das sie in Ordenstracht und Judenstern zeigt – wie auf dem Gebetszettel. In der Person Edith Steins verbinden sich für mich die wichtigsten religiösen Quellen unseres Kontinents: Das Judentum, in dem sie aufgewachsen ist, und das Christentum, zu dem sie gefunden hat. Zugleich war sie eine Suchende, was sie mit vielen Menschen in Europa heute verbindet und ihre Offenheit für das Andere zeigt. Als Philosophin hat sie über die menschliche Person und die Frage nach der Wahrheit geforscht, weswegen sie kürzlich auch für den Titel „Kirchenlehrerin“ vorgeschlagen wurde. Ihr Schicksal erinnert mich aufgrund der jüngsten Ereignisse antisemitischer Ausschreitungen zudem daran, dass die Bekämpfung des Judenhasses eine bleibende Herausforderung bleibt, der ich mich als Christ auf unserem Kontinent stellen will – sowohl aufgrund der geschichtlichen Verantwortung der Kirche gegenüber dem jüdischen Volk als auch aus dem Bewusstsein, dass der Judenhass Ausdruck des Menschenhasses schlechthin ist.

Im „Gotteslob“ findet sich folgendes Gebet Edith Steins, in dem sich ihr tiefes Vertrauen in Gott ausdrückt – ein Vertrauen, das auf die härteste Probe gestellt wurde:

Wer bist Du, Licht, das mich erfüllt und meines Herzens Dunkelheit erleuchtet? Du leitest mich gleich einer Mutter Hand, und ließest Du mich los, so wüsste keinen Schritt ich mehr zu gehen. Du bist der Raum, der rund mein Sein umschließt und in sich birgt. Aus Dir entlassen sänk‘ es in den Abgrund des Nichts, aus dem Du es zum Sein erhobst. Du, näher mir als ich mir selbst und innerlicher als mein Innerstes – und doch ungreifbar und unfassbar und jeden Namen sprengend: Heiliger Geist – ewige Liebe. (Gotteslob Nr. 8,6)

 

Markus Kneer, Pastor

Der Gebetszettel mit den Patronen Europas liegt in den Kirchen unserer Pfarrei aus, Sie finden die Ikone und ausführliche Informationen zu den dargestellten Heiligen aber auch auf der Homepage von Renovabis.

Alle Impulse der Gebetswoche finden Sie auf einer eigenen Unterseite unserer Pfarreihomepage.