Gottesdienstbesucherzahlen zeigen, dass Umdenken notwendig ist

Möglicherweise gibt es nur eine Kleinigkeit zu ändern: Die Gottesdienstordnung, die im Juni 2023 einerseits angesichts des Priestermangels, stärker jedoch wegen des schwindenden Interesses der Katholikinnen und Katholiken am Gottesdienstbesuch beschlossen worden war, soll bis auf eine Kleinigkeit Bestand haben. So hat es der Pfarrgemeinderat beschlossen und unlängst in der Pfarrversammlung nach der 11 Uhr-Messe in der Pfarrkirche vorgestellt. Die Ordnung an den Sonn- und Werktagen bleibt bestehen, die Gottesdienste an den Hochfesten im Jahr muss noch einmal überarbeitet werden.

Zur Pfarrversammlung kamen diesmal noch weniger Interessierte als letztes Jahr bei der Einsetzung der neuen Gottesdienstordnung.

Bei der Vorstellung der Ergebnisse der Zählung brachten sich die Gemeindemitglieder auch mit ganz konkreten Vorschlägen ein: Charlotte Kebekus etwa schlug vor, die Donnerstags-19 Uhr-Messe lieber in der Krankenhauskapelle statt in der Pfarrkirche zu feiern: „Ist schöner für uns wenige Besucherinnen und Besucher, spart im Winter Energie und für die Krankenhaus-Patienten ist die Messe wieder gut zu erreichen, besser als die Vormittags-Messen“. Der Vorschlag wird im Pastoralteam geprüft.

Auch wurde angeregt, dass die Priester nach der Messe noch eine kleine Weile mit den Gottesdienstbesucherinnen und -besuchern sprechen sollten. Dafür gibt es im Pastoralteam bereits eine Initiative, auch soll generell eine Willkommenskultur gelebt und Zugangshürden abgebaut werden.

Ansonsten gab es ein Papier für alle, das keine Fragen offenließ. Pastoralreferent Alexander Jaklitsch und Gemeindereferentin Ulrike Röwekamp zeigten Statistiken, wonach gerade mal 3,5 Prozent aller Schwerter Katholikinnen und Katholiken überhaupt die Gottesdienste in den sieben katholischen Kirchen in Schwerte besuchen. Also 460 Menschen im Schnitt – von annähernd 12.000!

Und das ist in der Größenordnung so wie schon seit Herbst 2020. Zählungen in den Monaten November 2023 und Februar/März 2024 sowie an Weihnachten und Ostern in Heiligen Messen und Wort-Gottes-Feiern haben das ergeben. Nach der Pandemie gab es einen hauchzarten Aufwind, der aber an der mageren Statistik nichts ändert. Damit ist die Situation in Schwerte so wie in fast allen Gemeinden in der Region.

In kleinen Gruppen wurde die Situation sehr rege diskutiert.

Bei noch 120 Beerdigungen im letzten Jahr ist nur 18 mal ein Requiem bestellt worden, zweimal fand das Requiem nach den individuellen Wünschen der Hinterbliebenen statt und nicht in einer der turnusmäßigen Messen. Diese Möglichkeit sei offenbar noch nicht genug kommuniziert worden, meint Pfarrer Guido Bartels. Bei den Taufen werde die durch die neue Gottesdienstordnung mögliche Flexibilität mehr genutzt worden.

Nach wie vor sind die anlassbezogenen Gottesdienste besser besucht als die regelmäßigen, „normalen“ Gottesdienste, die Krippenfeiern an Heiligabend und die Einschulungsgottesdienste seien immer noch erfreulich gut frequentiert. Mehr Zulauf im Vergleich zu den turnusmäßigen Gottesdiensten nach Plan haben auch die Wort-Gottes-Feiern und Heiligen Messen in den Seniorenheimen.

Der Pfarrgemeinderat hat die Bildung von Liturgiekreisen beschlossen, die neue Gottesdienstformate erarbeiten und ausprobieren sollen. In Zusammenarbeit mit einer professionellen Agentur soll darüber hinaus versucht werden, die Schwellen an den Schwerter Kirchentüren abzubauen, die Menschen an der Teilnahme von Gottesdiensten hindern. Für die gesamte Pfarrei bedeutet das die Notwendigkeit umzudenken und stärker nach den lebensweltlichen und existenziellen Anknüpfungspunkten bei Menschen zu suchen, um Räume eröffenen zu können, in denen sich Menschen von heute von der Botschaft des Evangeliums berühren lassen können. Und das sowohl in der Gestaltung als auch im Inhalt zeitgemäß und anknüpfungsfähig an Lebensthemen von Menschen. Für diese neuen Aufbrüche schafft nicht zuletzt die jetzt seit einem Jahr eprobte Gottesdienstordnung neue Spielräume und Ressourcen. Pastoralteam und Pfarrgemeinderat wollen diesen Aufbruch wagen – auch angesichts der bevorstehenden Herausforderungen im Blick auf den Immobilienbestand der Pfarrei, auf deren anstehende Termine bei der Pfarrversammlung kurz hingewiesen wurde. Dazu finden Sie aktuelle Informationen und Termine an anderer Stelle auf der Homepage. (kr)

Fotos: M. Krehl